Märchen von Kindern für Kinder

Wegen der Corona-Krise war Schloss Höchstädt in einem Dornröschenschlaf, Kinder mussten zuhause bleiben. Wir haben deshalb einen Märchen-Wettbewerb gemacht, bei dem Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre mitgemacht haben.

Die Märchen kann man jetzt in der Ausstellung lesen und zum Teil auch anhören, vorgelesen von der bayerischen Landessiegerin beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels 2019, Anna Denzler aus Günzburg.

Beispiele:

"Das große schwarze Etwas“ von Rosalie Bantje aus Lauingen

Leseprobe:

Eine Zeit lang geht ihr schweigend sehr tief in den Wald. Wie aus dem Nichts hört ihr plötzlich Geräusche. Ihr starrt wie gebannt auf die Stelle. Auf einmal springt ein grauer Drache aus dem Geäst, aber er ist noch ein Babydrache. „Quiep, ziep, piep, liep!“, kreischt das Drachenmädchen. Du versuchst Drachensprache zu lernen und auf einmal verstehst du sie und übersetzt: Die Kleine hat ihre Mutter verloren! Sie ist ein Klingenpeitschling. Du sagst: „Jetzt bin ich Deine Mutter ─ oder Dein Vater. Ich taufe Dich WILDFANG.“ Plötzlich hüpft sie auf deinen Rücken, sie schwingt ihre Flügel und du fliegst mit ihr durch die Luft. Der Engel zeigt der kleinen Wildfang Flugtaktiken und schon bald saust ihr fünfmal um den Vulkan. Du landest wieder, pflückst Kräuter, Heilkräuter und Beeren und erlegst fünf Wildschweine…..

Es war einmal in einem wunderschönen Wäldchen ein großer Hügel. Und wenn ihr jetzt denkt: „Wo ist dieser wundervolle Ort?“, antworte ich: „Im Magicland, ich bin auch sehr verzaubert. Komm, wir gehen diese Welt entdecken!“. Bist du bereit? Dann antworte: „Ja, ich bin bereit!““. Wenn du es gesagt hast, wird ein Wirbelsturm dich mitziehen, und du wirst bald im grünen Gras liegen. Dort kommt ein Engel vom Himmel nieder und flötet: „Du möchtest diese Welt erkunden? Gut, aber eine Regel musst Du einhalten! Du musst träumen und alle Gedanken aus deinem Kopf blasen.“ Der Engel wartet auf deine Antwort. Hast du sie ihm gesagt beziehungsweise geflüstert? Gut, jetzt hüllen dich und den Engel Wolken ein. Die Wolken rauschen: „Wo soll es hingehen, Himmelskinder?“ Der Engel schaut dich fragend an. Doch du bekommst keinen Ton heraus, denn die Wolken formieren sich in die Form eines Zuges. Schnell antwortet der Engel: „Zur Pegasus-Insel!“ Es gibt einen grellen Blitz und ihr schwebt über der Pegasus-Insel. Gerade denkst du, einen Flügelstumpf gesehen zu haben. Plötzlich holt der Engel eine aus Haihaut gemachte Flöte heraus und spielt auf ihr. Wenige Sekunden später kommen wunderschöne Pegasusse heraus. Sie hatten sich versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern, Büschen und sogar Dornen. Die Musik schien sie angelockt zu haben. Den Blick, den Du auf die Flöte geworfen hattest, hat der Engel bemerkt und erklärt: „Das ist eine Haihaut-Lederflöte von den Haien im Bernsteinsee.“ Du fragst: „Wo liegt der Bernsteinsee?“ und der Engel antwortet: „An den dunklen, felsigen Klippen“. Du beschließt, lieber nicht weiter zu fragen, weil du Sorgen hast, dann gar nichts mehr zu verstehen…. Ihr sitzt beide still da, als der Engel aufsteht und brüllt: „Anhalten!“. Ruckartig stoppt der Wolkenzug. „Landen!“, brüllt er weiter und aus dem Nichts erscheint ein greller Blitz. Ängstlich schreist Du: „Hilfe!“. Dann herrscht Stille……

Du spürst, wie Du von zwei Armen aufgefangen wirst, und landest leicht auf etwas Weichem. Nun schlägst du die Augen auf und sitzt auf einem Pegasus. Der Pegasus wiehert dir zu: „Komm, wir fliegen zusammen zum Drachenvulkan“. Auch der Engel sitzt auf einem Pegasus. Da fällt dir etwas ein und du fragst: „Wie heißt Du, Engel?“ Er antwortet: „Ich heiße Gabriel“. Nach ein paar Minuten Plaudern werdet ihr müde. Zum Glück rufen die Pegasusse Wolken herbei, die sich zu zwei Bettdecken verändern. Nun könnt ihr ruhig und glücklich einschlafen. Nach fünf Stunden kommt ihr an, es ist bereits Nacht. Sanft landen die Pegasusse. Jetzt fragst du: „Wo liegen die dunklen, felsigen Klippen?“. „Im Drachenland, also dem Drachenvulkan“, antwortet Gabriel dir. „Kann ich Dir einen Spitznamen verpassen?“, fragst du. „Ja“, antwortet Gabriel. „Wie wäre es mit Gabulassa?“ – „Das ist ja noooooch länger!“, stöhnt Gabriel. „Findest Du Gabo toll?“ „Da kann ich meinen Namen ja gleich ganz ändern!“, erwidert Gabriel. „Gute Idee!“, sagst du, „hast Du Gefallen an MORITZ?“. „Oh ja“, ruft
Gabriel freudig und macht Luftsprünge. „Lass uns hier alles erkunden“, sagst Du. Die Pegasusse erheben sich und sagen: „Wir müssen zurück zu unserer Insel“. Mit diesen Worten schweben sie davon. „Gehen wir in diesen Teil vom Wald?“, fragst du. „Ok“, antwortet Moritz. „Aber, wenn Moritz jetzt dein richtiger Name ist, kann man auch diesem Namen Spitznamen verpassen, zum Beispiel Momo, Mo oder Mori!“, sagst du. „Ja“, antwortet Moritz. Eine Zeit lang geht ihr schweigend sehr tief in den Wald. Wie aus dem Nichts hört ihr plötzlich Geräusche. Ihr starrt wie gebannt auf die Stelle. Auf einmal springt ein grauer Drache aus dem Geäst, aber er ist noch ein Babydrache. „Quiep, ziep, piep, liep!“, kreischt das Drachenmädchen. Du versuchst Drachensprache zu lernen und auf einmal verstehst du sie und übersetzt: Die Kleine hat ihre Mutter verloren! Sie ist ein Klingenpeitschling. Du sagst: „Jetzt bin ich Deine Mutter oder Dein Vater. Ich taufe Dich WILDFANG.“ Plötzlich hüpft sie an Deinen Rücken, sie schwing ihre Flügel und du fliegst mit ihr durch die Luft. Der Engel zeigt der kleinen Wildfang Flugtaktiken und schon bald saust ihr fünfmal um den Vulkan. Du landest wieder, pflückst Kräuter, Heilkräuter und Beeren und erlegst fünf Wildschweine. Der Engel bastelt mit Lianen, Blättern und angespülten Gummistücken einen Transport-Heißluftballon. Dort ladet ihr alles ein. Ihr fliegt die ganze Nacht durch, ohne zu Schlafen. Im Morgengrauen zeigt Wildfang durch ein heftiges Rütteln an, dass er landen möchte. Kaum am Boden angelangt, verdrückt Wildfang alle fünf Wildschweine. Nach der Mahlzeit steuert ihr auf eine völlig bunte Insel zu. Am Rande dieser Insel steht ein Zwerg und winkt. Der Zwerg spricht: „Seid gegrüßt, Ihr Fremdlinge, ich lade Euch zum Mittagstee ein!“. Bis der Zwerg den Tee vorbereitet hat erkundet ihr die Insel. Plötzlich taucht ein Schatten auf – ein riesiges schwarzes Zottelmonster schaut Euch an. Der Engel versucht gelassen zu bleiben, doch dann hat er einen Panikanfall: „K-k-k-k-önnten wir F-f-f-f-reunde sein?“, fragt Moritz das Monster. Das zottelige Etwas antwortet nicht. Nach gefühlten fünft Stunden antwortet das Monster: „Wüüüüüürg, hehe, ja, vielleicht!“ Moritz fragt Dich: „Bauen wir ein Zelt?“ Ohne zu antworten gehst Du in den Wald und suchst Stöcke. Du findest fünft und bringst sie zum Lagerplatz, doch das Monster ist nicht da. Du entdeckst einen Zettel auf dem Boden, darauf steht:

Das Monster hat mich entführt und zu einer bösen Fee gebracht. Rette mich, denn ich bin in Wirklichkeit eine verzauberte Prinzessin! In einer Höhle, die wie ein Adler aussieht, findest Du einen Spiegel, der Dir – wenn Du einen bestimmten Spruch rufst – alles erzählt. Der Spruch lautet: ES KANN NUR DANN EIN LÄCHELN AUS DEM SPIEGEL SCHAUEN, WENN EIN LÄCHELNDER HINEIN SIEHT.
Viel Glück, Dein Moritz.
P.S.: In echt, also als Prinzessin, heiße ich Florinde.

Du überlegst und triffst deine Entscheidung: „Ich rette Florinde!“ Du fängst dir einen Vogel und bindest ein Brief an sein Bein. Du schickst ihn los mit den Worten „Zum Zwerg“. Dann fliegst du mit Wildfang los zu den Hügeln. Nach fünf Stunden endlosem Fliegen entdeckst du tatsächlich eine Höhle, die wie ein Adler aussieht. Du landest, gehst hinein und findest im Inneren den Spiegel. Du sagst: „Es kann nur dann ein Lächeln aus dem Spiegel schauen, wenn ein Lächelnder hineinsieht.“ Auf dem Spiegel taucht nach diesen Worten ein Gesicht auf und sagt: „Hallo, seid gegrüßt! Die Prinzessin hat nun die Gestalt eines Frosches.“ Weiter sagt der Spiegel nichts, darum wendest Du Dich zum Gehen und plötzlich sagt der Spiegel doch noch etwas: „Bald kommt ihr zu einem Wasserfall, fliegt hindurch, dann seht ihr einen Kessel.“. Nun fliegt ihr los und findet sogar vier Wasserfälle. Bei ersten seht ihr nur Wasserschlangen. Beim zweiten gibt es giftige Aale die euch fast beißen. Beim dritten Wasserfall seht ihr einen Kessel. Aus der Höhle kommt ein Frosch gehüpft und sagt Euch, dass hier eine Hexe wohnt. Beim vierten Wasserfall findet ihr wieder einen Kessel, am Kessel hängt ein Zettel mit der Aufschrift: DIE BESTEN PARTYS ENDEN IN DER KÜCHE – und tatsächlich sieht die Höhle auch aus wie eine Küche. Wildfang zwickt mit seinen spitzen Zähnchen in  Deinen Arm. Jetzt fällt es Dir wie Schuppen von den Augen und Du sagst laut: „Die besten Partys enden in der Küche!“. Plötzlich fliegen aus dem Kessel Buchstaben heraus, sie bilden Wörter:

HALLO, WENN IHR DIE PRINZESSIN SUCHT, GEHT WEITER NACH WESTEN! BALD KOMMT IHR AN EINE DUNKLE MAUER. SAGT „TOR, ERHEBE DICH!“, DANN KOMMT IHR AN EIN WINDSCHIEFES HAUS. IN DER DUNKELSTEN ECKE DIESES HAUSES SITZT EIN FROSCH. DAS IST DIE PRINZESSIN. RETTE SIE! DANN FLÜCHTET NACH OSTEN. VIEL GLÜCK!

Wildfang und du, ihr fliegt nach Westen und kommt an eine dunkle Mauer. Du rufst: „Tor, erhebe Dich!“. Schnell fliegt ihr durch, dann seht ihr ein windschiefes Haus. Ihr fliegt durch ein offenes Fenster und wirklich: In der dunkelsten Ecke sitzt ein Frosch. Vorsichtig hebst du den Frosch vom Boden auf und steckst ihn in Deine Tasche. Doch Du bemerkst, dass am Bein des Frosches eine Botschaft hängt: „Oh, Du hässlicher Frosch! Warst ein Himmelskind, bist nun eine fette Kröte, verwandle Dich blitzgeschwind in ein hübsches Königskind.“ Auch diesen Spruch willst Du laut aufsagen, doch Wildfang erinnert dich: „Quäp, fiep, palopado, graul!“ Du sagst: „Ach stimmt ja, ich muss erst fliehen, dann irgendwo im Osten landen und (wichtig!) dann die Prinzessin zurück verwandeln. Also flieht ihr, alles läuft problemlos. Irgendwo im Osten landest du und vollendest die Verwandlung. Schon bald steht eine wunderschöne Prinzessin vor dir und sagt: „Danke, mein Retter, wollen wir heiraten?“. Wenn du jetzt nickst, passiert etwas UNGLAUBLICHES: Florinde schnippt fünfmal mit dem Finger und plötzlich steht ein Königsschloss vor Euch. Es hat Ställe, Betten, Säle und
riesige Türme! Das große schwarze Etwas - das haarige Zottelmonster - wurde vom Inselzwerg eingefangen und vor dem Schlosstor an riesigen Pfählen festgebunden. Es ist jetzt ein Wach-Monster und beschützt das ganze Königreich. Und wenn Ihr nicht gestorben seid, dann lebt Ihr dort noch immer.

"Der Hunderitter und der Geisterritter" von Elias Falkenstein aus Holzheim

Leseprobe

Auf einmal hörten sie ein Knarren und Quietschen. Die große, schwere Holztüre des Schlafgemachs öffnete sich langsam und der Graf bekam es mit der Angst zu tun und zog sich zitternd die Decke übers Gesicht. Hund Jakob kroch winselnd unter das Bett. Ein Geist schwebte erbärmlich wimmernd herein und flog im Zimmer verwirrt umher. Mutig und zugleich ängstlich spitzelte Max unter seiner Decke hervor und sah den verzweifelten Geist. Da er nicht böse zu sein schien, fragte er mit zittriger Stimme: „Wwww….was willst du hier? Wer bist du?“ Kunibert sprach seufzend: „Ritter Kunibert mein Name. Ich suche mein Schwert, mein Schwert – welches mich als Ritter so ehrt“….

Vor 200 Jahren schwebte in einem Schloss in Höchstädt nahe der Donau immer zur Mitternacht der Geisterritter Kunibert und suchte verzweifelt sein Schwert, welches er seit seinem plötzlichen Ableben schmerzlich vermisste.
150 Jahre später zog in dieses Schloss der junge Graf Max ein. Er sollte die Lordschaft der Familie Falkenstein antreten.

Mit Einzug in sein Schloss bekam Graf Max einen großen Hund an seine Seite gestellt. Er nannte ihn Jakob und sich selbst den Hunderitter.

Obwohl es Sommer war, war es im Schloss nachts sehr kalt und der Graf und Jakob froren so sehr, dass sie nicht einschlafen konnten.

Auf einmal hörten sie ein knarren und quietschen. Die große, schwere Holztüre des Schlafgemachs öffnete sich langsam und der Graf bekam es mit der Angst zu tun und zog sich zitternd die Decke übers Gesicht. Hund Jakob kroch winselnd unter das Bett. Ein Geist schwebte erbärmlich wimmernd herein und flog im Zimmer verwirrt umher. Mutig und zugleich ängstlich spitzelte Max unter seiner Decke hervor und sah den verzweifelten Geist. Da er nicht böse zu sein schien, fragte er mit zittriger Stimme: „Www.. was willst du hier? Wer bist du?“ Kunibert sprach seufzend: „Ritter Kunibert mein Name. Ich suche mein Schwert, mein Schwert – welches mich als Ritter so ehrt“
Der junge Graf setzte sich in seinem Bett vorsichtig auf und wollte nun wissen: „warum suchst du es? Hast du es verloren?“ Ritter Kunibert antwortete: „Ja, verloren, weiß nicht wo. Ein Ritter ohne Schwert, der ist nicht froh.
„Wir helfen dir bei deiner Suche, aber tu uns nichts!“ bat Max den Geist. Dieser versprach friedlich zu sein. Max, Jakob und Ritter Kunibert durchsuchten die ganze Nacht lang das Schloss nach dem vermissten Schwert. Als die Sonne schon langsam aufging saßen sie erschöpft auf einer alten Kiste im Dachboden. „Ich werde mein Schwert nie mehr finden – werde mich aus dem Kummer nie heraus winden“ seufzte Ritter Kunibert. Ein Sonnenstrahl fiel plötzlich durch das Schlossfenster herein und schien auf eine große, alte Ritterrüstung, welche aufglänzte und alle drei in den Augen blendete . Hund Jakob fing zu bellen an und sprang freudig zur Rüstung. Nun bemerkten auch der Graf und Kunibert, was Jakob mitteilen wollte. Ritter Kunibert schrie erfreut auf: „ Die Ritterrüstung mein Gewand – hält mein Schwert sie in der Hand!“
Max, Jakob und Ritter Kunibert freuten sich zusammen über den Schwertfund und der Geistritter versprach: „Nun, da mein Schwert wieder gefunden, drehe ich nachts hier keine weiteren Runden. Werde nun ruhen können in Frieden allezeit – ihr bewacht fortan mein Schwert zu euer Lebzeit.“

„Seid unbesorgt, das machen wir.“ versprach der junge Graf dem Ritter, welcher sich daraufhin lächelnd verbeugend in Luft auflöste und seither nie wieder im Schloss umher spukte. Der Geisterritter Kunibert hatte sein Schwert und seinen Seelenfrieden wieder gefunden und Graf Max und sein Hund Jakob lebten fortan beschützt auf dem Schloss Höchstädt als Wächter des Schwertes.

"Das Geheimnis der Apfelblüte" von Helena Zucker aus Höchstädt 

Leseprobe

Es war einmal…eine kleine Stadt mit einem Schloss und einer wunderschönen Kirche. Die Einwohner liebten die Stadt. Aber da gab es eine Zauberin. Sie nannte sich Ursula und wohnte in einem kleinen Häuschen im Wald außerhalb der Stadt. Sie war neidisch auf die Stadtbewohner, weil ihre Bäume so schöne Blüten bekamen, aus denen wunderbar saftige Äpfel wuchsen. Ihre hingegen hatten keine einzige schöne Blüte und nur ekelhaft schmeckende Äpfel. Deswegen beschloss sie einen Plan zu schmieden, dass ihre Bäume wachsen und schöne Blätter bekommen und dass die Bäume der Stadt kahl und hässlich werden. Als sie damit fertig war, ging sie in ihren Keller und holte ihr altes, staubiges Hexenbuch hervor, um nach einem Zauberspruch zu suchen….

Es war einmal…
eine kleine Stadt mit einem Schloss und einer wunderschönen Kirche. Die Einwohner liebten die Stadt. Aber da gab es eine Zauberin. Sie nannte sich Ursula und wohnte in einem kleinen Häuschen im Wald außerhalb der Stadt. Sie war neidisch auf die Stadtbewohner, weil ihre Bäume so schöne Blüten bekamen, aus denen wunderbar saftige Äpfel wuchsen. Ihre hingegen hatten keine einzige schöne Blüte und nur ekelhaft schmeckende Äpfel. Deswegen beschloss sie einen Plan zu schmieden, dass ihre Bäume wachsen und schöne Blätter bekommen und dass die Bäume der Stadt kahl und hässlich werden. Als sie damit fertig war, ging sie in ihren Keller und holte ihr altes, staubiges Hexenbuch hervor, um nach einem Zauberspruch zu suchen. „Dieser? – Nein! Vielleicht der? – Nein! Wo ist er denn?“, murmelte sie vor sich hin. Erst nach langem Suchen bemerkte sie, dass sie das falsche Buch in der Hand hatte. Schnell legte sie es weg und holte das richtige. Ja, das war es. Sofort hatte sie den passenden Spruch gefunden. Sie sagte:

„Ene, mene, stark und grässlich, der Bewohner Bäume werden kahl und hässlich.
Ene, mene ist doch klar, mein Baum wird wunderbar.“

Allerdings hatte sie die Warnung übersprungen, dass man den Zauberspruch nur bei Vollmond sprechen soll, sonst würde ein Unglück passieren. Als sie den Spruch sagte, war sie sich so sicher, dass er funktioniert. Gleich danach wurde ihr Baum zum schönsten der Stadt. Er hatte schöne bunte Blüten.

Ursula beschloss, sich in der Stadt umzuschauen. Ja, sie hatte es geschafft! Die Bäume waren nicht mehr so schön wie vorher. Nein, sie sahen katastrophal aus. Keine bunten Blüten und Blätter mehr! „So, im Herbst werdet ihr wohl keine Äpfel ernten.“

Doch der Königsbedienstete Emil van Drachenblut ahnte, wer dafür verantwortlich war. Er machte sich sofort auf zu Ursula.

Als er vor ihrem Haus im Wald angekommen war, klopfte er. Noch bevor Ursula aufmachen konnte, hatte der Bedienstete auch schon ihren wunderbaren Baum gesehen. Doch plötzlich prustete er los. Die Zauberin blickte verwundert. Warum lacht er wohl? Jetzt bemerkte sie es auch und rannte schnell zu ihm rüber. Ihr ganzer Apfelbaum hatte plötzlich lauter Pilze und sah gar nicht mehr schön aus. Aber sie hatte doch alles richtig gemacht.
Auf einmal fiel ihr ein: „Oh nein, ich habe die Warnung nicht gelesen!“ Ihr war sichtlich peinlich, dass der Spruch nach hinten losgegangen war. Aber sie beichtete alles: „Ich muss doch nicht in den Kerker?“, flehte sie. Doch dann gab Ursula ihr Flehen auf und ging mit dem Diener zum König. Dieser sagte: „Ursula, du hast zwar etwas Blödes getan, aber du wurdest dafür schon bestraft, weil dein Spruch nach hinten losgegangen ist. Also sollst du nur auf eine Zauberschule gehen.“

Dort lernte sie den richtigen Zauberspruch, den sie gleich in der Nacht bei Vollmond einsetzen konnte: „ Ene, mene, eins, zwei, drei, mein Zauberspruch geht schnell vorbei“.
Am nächsten Morgen blühten alle Bäume in der Stadt und im Wald in den schönsten Farben. Alle Stadtbewohner feierten zusammen mit dem König und Ursula ein wunderschönes Blütenfest und im Herbst konnten alle die süßesten Äpfel ernten.

Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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